Ansprache beim Gottesdienst zum Neujahrsempfang des Diakonischen Werkes in der Christuskirche Landshut am 01.02.2018

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.“
Off 21, 6

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Diakonischen Werk,

ich war vielleicht fünf Jahre alt, da machten unsere Eltern mit uns Kindern eine kleine Wanderung zur „Wernberg-Quelle“, nicht weit von unserem Zuhause. Ich erinnere mich noch, dass es endlos durch den Wald ging. Es war ein schöner Sommertag, es war heiß, und ich war bald müde und durstig.

Von der Quelle war ich dann beeindruckt. Sie lag mitten im Wald, hatte ein gemauertes Wasserbecken und aus einem etwa ein Zentimeter starken Rohr strömte frisches Wasser.Ich war froh, dass ich die Wanderung geschafft hatte, und noch schöner war die Erlaubnis, dass wir aus dieser Quelle trinken durften.

Ich erinnere mich, wie köstlich es schmeckte. Kalt und erfrischend war es, belebte den ausgetrockneten Körper und verursachte Wohlbehagen, das sich im ganzen Körper ausbreitete.

Seitdem habe ich noch häufig aus einer Quelle getrunken oder frisches Wasser aus einer Wasserflasche gereicht bekommen, in den Bergen und in der Wüste, im Land Israel und auf dem Sinai oder im heißen Griechenland.
Und immer war es das Gleiche:
Es war eine Wohltat für Leib und Seele. Es war genau das Richtige bei brennendem Durst, und es war wunderbar, wie das frische Nass den Leib belebte und den Geist erfrischte.

Wir in der Diakonie geben den Menschen solches Wasser gegen ihren Durst.
Sie tun es.

Die Menschen dursten nach einem guten Wort, nach Hilfe, nach Zuwendung.
Sie geben es, wenn Sie im Altenheim in einem Bewohnerzimmer die Vorhänge zurückziehen und fröhlichen einen „Gute Morgen“ wünschen; wenn Sie zum Pflegen in ein Haus kommen und der Patient schon wartet, dass er ein wenig Ansprache nach einem langen einsamen Tag hat; wenn jemand froh ist, seine Probleme und Sogen in der Beratungsstelle aussprechen zu können; wenn ein Kind sich jeden Morgen auf die Kita freut, weil es dort die Sicherheit und Struktur und die liebevolle Zuwendung genießt.

Menschen brauchen solch lebendiges Wasser.
Dies ist unsere Daseinsberechtigung als Diakonie.
Es ist zugleich auch unsere Freude, wenn wir ein Wort des Dankes oder der Anerkennung von einem Patienten erhalten oder noch schöner, in ein lachendes oder gar strahlendes Gesicht blicken dürfen.

Das ist dann für uns ein Schluck lebendigen Wassers, das unseren Durst löscht und uns erfrischt.

Denn wir als Mitarbeitende haben ja auch Durst, sind erschöpft, ausgelaugt nach einem langen Arbeitstag. Wir sind leer und müde vom Dienst und den Problemen und Sorgen, die vor uns ausgebreitet wurden, fertig vom Lärmpegel in der Kita.

Und da ist dann ein Dank,
eine Umarmung
ein „Sie haben mir viel geholfen“,
ein Segen
eine Belebung,
eine Köstlichkeit in der Mühe des Tages.

Doch der Spruch vom lebenden Wasser aus Gottes Quelle hat noch eine andere Dimension
ES HEIßT JA
GOTT SAGT; ICH WILL DEM DURSTIGEN LEBENDIGES WASSER GEBEN,
Er, Gott, gibt uns zu trinken.

Gott gibt uns zu trinken. Stimmt das? Tut er das?
Wenn man nachsinnt, wird man vielleicht Beispiele dafür im eigenen Leben finden:
Wo ich Gott dankte,
weil ich in einer Not seine Hilfe gespürt habe,
in großer Sorge,
bei der Grübelei in der Nacht,
im Krankenhaus, beim Warten auf eine Diagnose …

Wo der Durst groß war nach Hilfe, nach Bestätigung, dass es nicht so schlimm kommt, wie befürchtet, dass alles wieder gut werden möchte.
Und dann kam das erlösende Wort.
Die Entwarnung des Arztes, das der Angehörige über den Berg ist,
die Nachricht, dass das vermisste Kind gefunden wurde,
das Ergebnis der Klassenarbeit, das doch nicht so katastrophal war, wie befürchtet.
Das ist eine Erlösung, das ist wiedergewonnenes Leben.

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.“

Dieser Spruch steht in der Bibel ganz am Ende, in der Offenbarung, im Buch, das schon gar nicht mehr von unserer Zeit handelt, sondern uns entführt ans Ende der Zeit, ans Ende der Welt, wo die alte Welt untergeht und Gottes neue Welt entsteht.

Und von dieser neuen Welt heißt es:
„Und siehe, ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Und ich hörte eine Stimme, die sprach:
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.
Und er wird bei ihnen wohnen und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein.
Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“
(aus Off 21 1-6)

Die Wohnung Gottes bei den Menschen,
wo er unter uns lebt,
die Tränen trocknet,
das Leid lindert,
den Durst stillt ….
Auf diese Welt leben wir hin,
auf sie gehen wir zu,
diese dürfen wir in der Zukunft erwarten.

Das schenkt uns Gott, weil wir es ihm wert sind, weil er uns liebt und weil wir ihm wertvoll sind, wie sein Augapfel.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie,
wir gehen in ein neues Jahr, wir werden Höhen und Tiefen ausgesetzt sein, Freuden und Leid, wir werden Tage erleben, an denen unser Herz vor Freude hüpft und andere, wo uns Schweres niederdrückt.

Wir gehen in die vor uns liegende Zeit, und dabei dürfen wir gewiss sein, dass Gott uns begleitet, schützt, trägt, dass Gott bei uns ist, unser Leben teilt, unsere Sorgen trägt, unseren Schmerz tilgt, dass er unseren Durst löscht und uns zu trinken gibt, aus der Quelle lebendigen Wassers.

Amen.

Dekan Siegfried Stelzner
Landshut

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