Rösler macht sich für Pflegeberufe
stark
Kommt ein Minister aus Berlin in eine
Kleinstadt, dann hat man gelegentlich den Eindruck, der Großstädter will den
Menschen in der Provinz zeigen, was Sache ist. Derartige Arroganz ist
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (37) fern. Bei seinem Besuch im
Kinderkrankenhaus und im Matthäusstift sprach der FDP-Politiker trotz engem
Zeitplan mit Mitarbeitern und Bewohnern.
Initiiert wurde der Ministerbesuch von FDP-Oberbürgermeisterkandidat Prof.
Dr. Christoph Zeitler. Es tue einem Bundespolitiker gut, mal das
„
Raumschiff Berlin" zu verlassen, um die Realität vor Ort kennenzulernen.
Mit den Realitäten im Kinderkrankenhaus St. Marien machten Geschäftsführer
Bernhard Brand und Ärztlicher Direktor Dr. Reinhard Herterich vertraut.
430
Mitarbeiter sorgen in der Kinderklinik für ihre jungen Patienten. Medizinische
Versorgung auf hohem Niveau müsse auch künftig gewährleistet sein, sagte Brand.
Deshalb hoffe er, dass das Budget 2011 nicht reduziert werde, die
Arbeitgeberkosten nicht stiegen. Wichtig seien verlässliche Rahmenbedingungen
statt Entscheidungen über Nacht. Herterich bezeichnete es als unerträglich, wenn
innerhalb kürzester Zeit Voraussetzungen geändert würden. Als Beispiel nannte er
den Umstand, dass Häuser nur noch dann Frühehen behandeln dürften, die leichter
als 1250 Gramm sind, wenn die Fallzahlen bei mindestens 30 liegen. Bislang lag
diese Zahl bei knapp der Hälfte.
Brand erinnerte daran, dass im Kinderkrankenhaus diverse Fachabteilungen
angesiedelt sind. Dazu gehört das Perinatalzentrum. Dass es meist auf
Frühgeborene reduziert werde, sei schade. Denn Ärzte und Pfleger kümmerten sich
um weit mehr, zum Beispiel auch um Kinder mit Herzfehlern.
Minister Rösler hörte aufmerksam zu und sagte zu beinahe jedem Punkt, er
nehme ihn gern mit zur Diskussion nach Berlin. Das klang nicht nur höflich,
sondern auch ernsthaft und unvoreingenommen. Und er wurde deutlich:
„Medizinische Entscheidungen müssen aus medizinischen Erwägungen heraus
getroffen werden, nicht aus betriebswirtschaftlichen."
Nach der Kinderklinik fuhr der Ministertross zum, um es mit Zeitler
zu sagen, „Kontrastprogramm" ins Matthäusstift. Während die Kinderklinik für den
Beginn des Lebens stehe, gehe es im Senioren- und Pflegezentrum um dessen
letzten Teil.
Dekan Siegfried Stelzner präsentierte Rösler das Diakonische
Werk stolz als einen der größten Anbieter sozialer Leistungen in Landshut.